Sind wir jetzt schon alte Hasen ? Haustausch No. 5

Die Sommerferien sind so gut wie vorbei und es stellt sich hier im Süden des Landes gerade ein herrlicher Altweibersommer ein.

Zurückschauend können wir auch diesen Sommer wieder als mehr als gelungen betrachten. Das liegt zum Einen sicherlich daran, er schon im Mai anfing und so unser Vitamin D Vorrat schon schnell wieder aufgefüllt war, zum Anderen aber auch sicher an einem weiteren erfolgreichen Haustausch.

Nachdem wir letztes Jahr eine Penthouse-Wohnung an der Costa Brava mit Gemeinschaftspool hatten, war dieses Jahr der Wunsch nach einem Französischen Sommerurlaub im Einfamilienhaus recht groß.

Versteht mich nicht falsch, wir fanden es fantastisch in Spanien und auch die Wohnung war riesig, aber die Kinder durften natürlich nicht allein an den Pool, es gab Öffnungszeiten und alleine war man auch nie. Es gab immer noch andere Familien, die auch gerade ihre Zeit dort verbrachten. Das ist per se ja nun auch nichts schlimmes, aber irgendwie hatten wir dieses Jahr so richtig Lust auf Privatsphäre in allen möglichen Dimensionen.

Schon im Herbst hatten wir mit einer Familie am Fuße der Pyrenäen nahe Pau einen Haustausch für den Sommer vereinbart. Ein typisches Haus im Baustil der Region, mit hoher Hecke und eigenem Pool. Einziger Wehrmutstropfen: Das Meer ist in etwas über einer Stunde mit dem Auto zu erreichen.

Die französische Familie bekam im Gegenzug unser Haus samt Kater für die gleiche Zeit plus unseren Zweitwagen, da sie mit dem Flugzeug anreisten.

Durch die bisherigen Tausche war mittlerweile auch unser Haustausch-Ordner vervollständigt und so fühlten wir uns gut auf den Tausch vorbereitet.

Am Abreisetag holte wir am frühen Nachmittag noch die Tauschfamilie vom Bus ab und zeigten schnell das Nötigste bevor wir selbst Richtung Frankreich aufbrachen. Es war das erste Mal, das wir unsere Tauschpartner in Natura sahen, im Normalfall legen wir nämlich einen Schlüssel an einen vereinbarten Punkt oder schicken Ihn per Post.

Die Ankunft im Tauschhaus in den frühen Morgenstunden verlief dann ebenfalls  reibungslos und schon gegen Mittag beschlossen wir, hauptsächlich wenig bekleidet bis nackt diesen Urlaub zu bestreiten.

Letztes Jahr um diese Zeit habe ich glaub ich schonmal geschrieben, wie entspannt so ein Haustausch-Urlaub sein kann. Dieses Jahr war es (und ich wusste nicht, dass das geht) noch entspannender.

Wir hatten so viel Freiraum, kaum Pläne, lebten in den Tag hinein und planschten hemmungslos von morgens bis abends im Pool. Ich lag entweder im Pool mit einem Buch auf der Luftmatratze oder unter dem Sonnenschirm und lauschte lächelnd der Unterhaltung meiner Damen, die sich meist darauf konzentrierte, dass eine Arielle und die andere entweder Erik oder Ursula war.

Wir spielten viele Spiele und malten (ja, alle, auch der Papiii) verrückte Tiere, die dann einer strengen Jurybewertung unterzogen wurden.

Und wenn wir dachten, die Tage sind zu ereignislos, sind wir in den nächsten Ort oder zum Markt gefahren, wandern gegangen oder haben einen Strandtag an der Atlantikküste gemacht. Und wir haben uns geschworen nächstes Jahr wieder so an einen Urlaub heran zu gehen. Denn es stimmt schon : Wenn man für die Unterkunft eigentlich nichts bezahlt, sind die Erwartungen und der Druck nicht groß, sondern man ist dankbar für die Zeit.

Zu Hause war übrigens wie die letzten Male auch alles in Ordnung und sauber, wenn auch nicht so sauber, wie ich das Haus verlassen habe. Aber ich denke, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht das Tauschhaus so sauber wie möglich zu verlassen und darum geht es ja! Ansonsten kann man ja immer noch ein Putzteam anheuern, wenn es wieder klinisch sauber sein soll 😉

Was wir aber auch gemerkt haben ist, dass Kinder manchmal auch andere Kinder brauchen. Deswegen ist der Plan, nach zwei Wochen Haustausch vielleicht einfach noch eine Woche Campingurlaub dranzuhängen oder vorwegzunehmen, sodass es für die Kinder auch sozial etwas attraktiver ist.

An sich sind wir aber weiterhin ganz klar Team Haustausch und freuen uns auf die nächsten Abenteuer!

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Der Dreikäsehoch, das Genie und die Sache mit dem Chaos

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Kaum zu glauben, aber nach den Ferien beginnt Maditchens letztes Waldkindergartenjahr.

Das bedeutet, dass sie schon so richtig groß ist. Sie interessiert sich schon seit Längerem für Buchstaben und fängt an erste Wörter zu lesen und zu schreiben. Ein richtiger kleiner Schwamm ist sie, der einfach alles von ihrer großen Schwester aufsaugt und am Liebsten gleich verarbeiten möchte.

Aus diesem Grund hat sie von uns zum Geburtstag ein großes Vorschulbuch voller Aktivitäten bekommen, das sie selbst als ihre „Hausaufgaben“ bezeichnet. Regelmäßig kommt ein gespieltes Stöhnen von ihr gefolgt von einem Satz a la „ach, stimmt ja, ich muss ja noch Hausaufgaben machen“ (Woher sie das wohl hat ?! ). Dann verkrümelt sie sich in Lottas Zimmer, stellt den Schreibtisch auf ihre Höhe ein und ist für mindestens die nächsten 40 Minuten nicht verfügbar. Wenn sie keine Lust mehr auf ihr Vorschulbuch hat, geht sie meistens gleich in die Malphase über und mir werden die neusten Einhornkreationen in Regenbogenfarben präsentiert.

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Es scheint als wäre der Champion left UP ihre persönliche Rückzugszone, ihre Ruheoase und ihre Inspirationsquelle. Gerade deswegen bin ich besonders froh, dass sie die Möglichkeit hat, so kindgerecht wie möglich an einem Arbeitsplatz zu sitzen, ohne ihre Haltung anpassen zu müssen. Denn einen zarten Kinderrücken möchte ich auf keinen Fall schädigen. Viel mehr passen sich die Büromöbel von Moll nämlich den individuellen Bedürfnissen unserer Kinder an. Sitzt Madita am Schreibtisch, bedarf es nur weniger Handgriffe von ihr selbst mit dem „Jojo“, um ihn richtig für sie einzustellen.

“Die Gegenstände, die das Kind benötigt, um seinen Geist zu üben, gehören ebenso dazu wie die Ordnung und der gepflegte Zustand, in dem sich alles im Raum befinden soll.”

                                                                                                                                  -Maria Montessori

Da ich mehrere Jahre in einer Montessori-Kindertageseinrichtung als Erzieherin gearbeitet habe, hat sich mein Sinn für Ordnung geschärft.

Gerade unsere ältere Tochter hat genau hier ihre kleine Baustelle. Das fängt beim Kleiderschrank an, geht dann über ihren Schulranzen und sich darin befindliche Materialien und hörte beim alten Schreibtisch, der alle Schätze(Lotta und ich haben da unterschiedliche Definitionen und Ansichten) in den vielen kleinen Verstaumöglichkeiten bewahren konnte, auf. Sie benötigte dringend eine Umgebung, die es ihr einfacher macht, alles ordentlich zu halten und zu pflegen.

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In normalen Schubladen oder Kisten wird im Normalfall nämlich schnell alles reingestopft und verschwindet in der Versenkung. Irgendwann finde ich dann zwischen Anspitzermüll, alten Radiergummies, Bibi und Tina-Zeitungen und vertrockneter Knete den lang vermissten Füller oder den Klebestift.

IMG_1635.jpgDurch die riesige Schublade des Moll Champion, die schon vorgegebene Rillen hat, fällt es Lotta nun erheblich leichter, Ordnung beizubehalten und nicht die Schublade komplett voll zustopfen. „Richtig schön ordentlich sieht es bei mir aus“ hat sie neulich zu mir gesagt und ganz stolz auf ihren neuen Schreibtisch geschaut. Sollte dies etwa der Beginn eines gesunden Ordnungssinns sein ? Wir können es nur hoffen.

Als super hat sich auch die Buchstütze von Moll herausgestellt, die sogar an den schrägstellbaren Teil des Tisches geklemmt werden kann. So können Hausaufgaben problemlos ordentlich und bequem erledigt werden. Gerade in den Klassenstufen 3 und 4 hab ich Buchstützen schon oft im Unterricht gesehen. Verständlich, denn irgendwie werden Schultische auch nicht größer und neben Federmappe und Co ist kaum noch Platz für das riesige Deutschbuch. Die Stütze wird, wenn ich so darüber nachdenke, also nicht nur zu Hause zum Eisatz kommen.

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Dass ein Teil des Schreibtisches neigbar ist, ist besonders praktisch, wenn etwas genau ausgemalt werden möchte, oder Lotta Hausaufgaben macht.

In diesem Fall ziehe Kind einfach an einem kleinen Seilzug ein paar Mal (der geht natürlich butterweich) und zack- ist der gewünschte Neigungsgrad erreicht.

Da zwischen den beiden Damen alles so unterschiedlich wie möglich sein muss, verstellt Lotta mit einem Griff natürlich den Neigungsgrad, wenn Madita vorher am Tisch gesessen hat. Und andersrum. Ist ja klar.

Und der Rest der Tischpaltte bleibt gerade, so dass weitere Hefte oder die Federmappe nicht mit rutschen. So etwas nenne ich mal mitgedacht! Da ist es nicht verwunderlich, dass der Schreibtisch den Red Dot Award gewonnen hat.

Seit der Schreibtisch in Lottas Zimmer steht, ist nämlich auch ihre Handschrift um einiges ordentlicher geworden.

Die Sache mit dem Seilzug kommt übrigens auch noch an einer anderen Stelle zum Einsatz:

Bei der Höhenverstellung.

Klar, jeder gute Kinderschreibtisch ist heutzutage höhenverstellbar. Meistens funktioniert die Höhenverstellung dann so, wie schon damals bei meinem ersten Schulschreibtisch: Auf jeder Seite eine große Plastik- oder Holzschraube, die das Niveau bestimmt, meistens in 3-4 Niveaus einstellbar. An den Schreibtisch von damals kann ich mich noch recht gut erinnern, daran dass er tatsächlich mehrmals meiner Höhe angepasst wurde eher weniger.

Moll hat sich hier jedoch etwas Innovatives überlegt, damit Lotta und Madita ganz selbstständig sein können und sich den Schreibtisch problemlos teilen können; den bereits erwähnten „Jojo“.

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Einfach nur an dem Seil ziehen und schon bewegt sich der Tisch entweder aufwärts oder abwärts. So wie es eben gerade gebraucht wird.

Besonders toll ist übrigens auch der Schreibtischstuhl Maximo, der sich in drei verschiedenen Ebenen verstellen lässt. Nachdem sich die Damen endlich zwischen dem wunderschönen „Magnolia“ und dem eher klassischen eleganten „Khaki“ entschieden hatten (Man kann übrigens auch die Sitzkissen austauschen, falls es unüberbrückbare Differenzen in der Farbwahl gibt 😉 ),  war die Begeisterung über den Stuhl sagenhaft.

Es wurde wild im Kinderzimmer herumgeschoben, kleine Schätze im Geheimfach verstaut und solange gedreht, dass ich schon darüber nachdachte, einen kleinen Eimer daneben zu stellen. Der Stuhl wird also vollkommen ausgenutzt. So muss das sein.

Nicht nur die Sitzhöhe und Lehnenhöhe sind einstellbar, sondern auch die Länge des Sitzes ist verstellbar. All das bekommen die beiden Mädels wunderbar alleine hin. Und selbst als Erwachsene kann man sehr bequem auf dem Stuhl sitzen, sodass ein Mitwachsen absolut garantiert ist.

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Wenn die Schule Mitte September hier wieder startet , werden die Möbelstücke auf den Prüfstand genommen und ich werde dann nach einer ausreichenden Zeit noch einmal darüber berichten, wie sie sich im Alltag bewährt haben 🙂

Kurz und knapp: wir sind Dank dieser beiden Möbelschätze nicht nur schon bestens auf Maditchens Start in die Schule im Sommer 2019 vorbereitet und können Lotta aktiv darin unterstützen Ordnung einfacher beizubehalten, wir können unsere Kinder auch darüberhinaus ein großes Stück weiter in die Selbständigkeit führen und ihnen das Gefühl geben, Dinge, die für sie relevant sind, selbst erledigen zu können.

Und davon ganz abgesehen und unter uns Ästhetik-Fans : Wahnsinnig schick ist der Schreibtisch ja wohl auch, oder ?!

Einen besonderen Dank möchte ich noch an die Firma Moll und insbesondere an Anna aussprechen, die uns diese Kooperation möglich gemacht haben.

Urlaub vom Familienurlaub ? Eine kleine Abrechnung

Urlaubszeit bedeutet vor allem für Mütter Stress-Zeit“ so oder so ähnlich las ich es neulich in einer Familienzeitschrift und auch unter Mombloggern wird oft über den „Urlaub vom Urlaub“ geschrieben. Ich habe unsere letzten 8 Jahre Eltern-Dasein Revue passieren lassen und meine Gedanken niedergeschrieben. Eine kleine Abrechnung.

Zuerst möchte ich ganz klar sagen, dass es für mich kein richtig oder falsch gibt. Es ist, wie immer eigentlich, ganz individuell zu betrachten. Immerhin ist jede Familie verschieden und auch Familienbedürfnisse somit. Nichts desto trotz schildere ich das Thema Urlaub jetzt aus meiner Sicht.

In den letzten Jahren sind mir verstärkt Artikel aufgefallen, in denen es um eine neue Art von Offenheit, Offenbarung im Internet und anscheinend kritische Ehrlichkeit, vielleicht eher skandalöse und vorurteilsbehaftete Ehrlichkeit geht. Generell finde ich es toll, sich über Themen auszulassen und alle Facetten zu zeigen, jedoch möchte ich an dieser Stelle auf eine Art unreflektierte Wahrnehmung verweisen, die mehr und mehr im Zeitalter des Bloggens zugenommen hat.

Und irgendwie schmerzt es mir in der Seele so etwas wie „Urlaub vom Familienurlaub“ lesen zu müssen. Hauptkritikpunkte in dem Artikel waren, dass dieses Muttertier sich im Campingurlaub ausschließlich den Kindern und ihrer Versorgung widmete, das Packen des Autos organisierte, die Kinder während der Autofahrt bespaßte und auch sonst recht wenig Zeit für sich selbst hatte, während der Partner ganz entspannt sein Ding durchziehen konnte.

Viele von uns werden sich in diesem Verhalten und den daraus entstandenen Situationen ebenfalls sehen können, aber meine Frage an dieser Stelle ist: Ist das denn so schlimm ?

Die Autorin sehnt sich nach der Zeit, in der sie nur für sich selbst verantwortlich war und sie in ihrem Urlaub entspannen konnte.

Natürlich möchte ich nicht bestreiten, dass auch ich dieser Zeit manchmal nachtrauere, besonders, wenn nachts um 23.00 Uhr, wenn gerade traute Zweisamkeit im Bett aufkommt, kleine nackte Kinderfüße ins Schlafzimmer getappelt kommen oder nach einer durchfeierten Samstagnacht morgens um 9 nach eine Streitschlichterin verlangt wird. Ist doof, kommt vor. Ist aber doch eher die Ausnahme. Also haben wir entweder verdammt tolle Kinder oder generalisieren einfach nicht über.

Urlaub ist für mich nämlich das Zepter beim Packen in der Hand zu behalten, das Auto so organisiert zu beladen, dass eine recht angenehme Autofahrt ins 1300km entfernte Frankreich möglich ist. Kleine Snacks im Vorfeld zu kaufen und das iPad mit den richtigen Filmen zu bestücken, Decken und Kuschelkissen im Auto zu platzieren und das Haus so zu putzen, dass es nicht nur glänzt, sondern auch für unsere Tauschpartner perfekt hergerichtet ist. Das hört sich erstmal nach viel Stress an, aber ich muss sagen, er ist doch im Grunde positiver Natur. Ich freue mich auf 13 Stunden lange Autofahrten (meistens über Nacht) und lange Gespräche mit meinem Mann. Und aufs Ankommen in der Urlaubsregion, die aufregenden ersten Erkundungen im Haus und den ersten Einkauf. Natürlich gibt es dabei auch schreckliche Momente. Will ja fast keiner freiwillig zwischen 2 und 5 Uhr nachts fahren, aber wir wechseln uns ab, sodass jeder seinen Schlaf bekommt oder eben wenigstens kurz Augenpflege betreiben kann.

Im Urlaub sind wir nämlich genau das, was wir im Alltag nicht sein können. Ein richtig gutes Team. Mein Mann genießt die Zeit mit den Mädchen und respektiert meine kleinen Ruhepausen, ich lasse ihm seine Zeit am PC oder seine Laufrunden. Quasi Quid pro Quo. Nur ohne jede Abstimmung.

Und ja, es stimmt, im Urlaub mache ich genau das, was ich auch zu Hause mache: Essen kochen, Kinder beschäftigen und versorgen. Aber ist das schlimm ? Und was kann ich von einem Urlaub erwarten ?

Wir sind in den letzten 8 Jahren in der ganzen Welt herum gereist und haben vieles gesehen. Mit Kindern. Ob ich es lieber ohne die beiden Damen getan hätte? Auf keinen Fall! Nichts ist so herzerwärmend wie leuchtende Kinderaugen oder eine Kindheitserinnerung. Die beiden sind so wachsam und kulturell interessiert, dass es so viel mehr Spaß macht neue Kulturen zu entdecken und ihnen unsere alten Lieblingsplätze zu zeigen.

Ich denke, dass für uns vor allem Urlaub bedeutet, dass der Routinerahmen erheblich aufgefächert wird. Kein um 7 Uhr aufstehen müssen, nicht unbedingt mittags warm essen, keine Hausaufgaben machen oder kontrollieren und vor allem kein Facetime als Abendroutine, um dem Papa Gute Nacht sagen zu können. Ich genieße es regional zu kochen und versorge die Kinder gerne. Natürlich habe ich nichts gegen eine Stunde Lesezeit, um mich einem Buch zu widmen oder etwas vor mich hin zu dösen. Es ist alles in so einer typischen IKEA-Atmosphäre: Nichts müssen-alles können. Und ich sehe meinen Kindern viel bewusster bei der Entwicklung zu: Alles, was im Alltag zwischen Geigenunterricht und Fußball keine Chance hat, scheint jetzt so hell, dass man beinahe eine Sonnenbrille bräuchte. Maditchen interessiert sich immer mehr fürs Schreiben und Taucht auf einmal wie eine kleine Robbe, Lotta widmet sich der Ukulele und komponiert eigene Lieder. Klar gibts auch mal Streit und Langeweile. Wäre ja auch total abwegig, wenn immer alles in Butter wäre, und doch tangiert mich das viel weniger als im Alltag. Ich genieße einfach das Leben fernab von Routine und Hektik.

Und klar ist es nicht wie früher, als ich noch Single und das Einzige, worum ich mich im Urlaub kümmern musste, das nächste Getränk von der All-inklusive-Bar war, aber zurück sehne ich mich danach nicht.

Denn jetzt ist da einfach so viel mehr Liebe.

Stay wild, Kindi-Child

Oh Gott, ein Waldkindergarten? Wie schön, aber das könnte ich nie!

Genau die Phrase habe ich in den letzten drei Jahren als Waldkindergarten-Mama zur Genüge gehört.

Hauptbedenken dabei sind meistens, dass das Kind nicht genug lernt, es zu oft krank wird und die Sorge um Zecken. Darüber hinaus geht es um Kleidungsfragen und das zu wenig individuelle.

Aber bevor ich mit meinem Bericht über unsere Waldkindergarten-Erfahrung starte, möchte ich betonen, dass jeder sein Kind doch bitte dahin schicken möge, wo er oder sie es für am besten aufgehoben hält. No judgements, please ✌🏻.

Unsere Waldkindi-Zeit begann, als Madita ungefähr 2 1/4 Jahre alt war. Schon früher, als wir hier an den See gezogen waren, hatte ich versucht Lotta im Wald anzumelden, war aber an der Warteliste gescheitert. Madita hingegen meldete ich recht früh an und bekam schnell die Zusage für einen Platz in der Waldspielgruppe. 3 Tage á ca. 4 Stunden Betreuung. Hörte sich für mich bzw. unser damaliges Au Pair Kaitlin super an. Man hätte genug Zeit für den Musikgarten und gemütliche Morgende zu zweit, auf der anderen Seite aber auch etwas Luft und Madita unglaublich viel Freude am Erkunden des Waldes.

Die Waldspielgruppe hatte zu Madita’s Zeit immer so um die 4-6 Kinder und zwei Erzieherinnen. Die Eingewöhnung verlief (fast wie erwartet) problemlos. Allerdings gab es Tage, an denen die kleine Dame einfach nicht ausgeschlafen war, oder man lieber noch ein bisschen länger kuscheln wollte. Für unsere Waldkindi-Gruppe war das nie ein Problem. Während ich es aus Gemeindekindergärten gewohnt war, zu Gesprächen zu bitten, wenn Eltern ihre Kinder nicht regelmäßig brachten, wurde es im Waldkindergarten als vollkommen normal angesehen. Das ist übrigens auch heute noch so. So viel Toleranz und Akzeptanz habe ich in keinem anderen Kindergarten bisher gesehen. Auch in der Waldkindergarten-Gruppe, in die Madita dann kurz vor ihrem Dritten Geburtstag umzog, setzte sich diese Wertevorstellung fort. Besonders zu betonen ist, dass seit Beginn von Maditchens Waldzeit bis auf die Auszubildenden nicht eine Mitarbeiterin ihren Arbeitsplatz gewechselt hat !

Gerade am Anfang habe ich mich viel durchs Internet quergelesen, um Madita adäquat einkleiden zu können.

Wie auch viele andere Waldkindergarteneltern fahren auch wir mit dem Zwiebellook am Besten. Im Winter haben wir die ersten Jahre auf einen guten Schneeanzug vertraut (auch wenn es manchmal etwas blöd für den Gang zur Toilette war). Allerdings hatte Maditchen auch beschlossen sich die ersten 2 Jahre ihres Waldkindi-daseins dem Suhlen in Schlamm, Blättern, Schnee, Sand und was weiß ich noch alles zu widmen. Da war ein Schneeanzug und im Herbst ein Softshell-Anzug unabkömmlich.

Im Sommer gibt es bei uns immer Leggings. Die sind zum Einen gut, falls Madame wieder den Lieblingsberg auf dem Popo herunterrutschen möchte, zum Anderen sitzen sie so schön eng, dass Zecken wenig Möglichkeiten haben nirgendwo hoch zu krabbeln. Dadrüber muss dann ein Kleid oder Rock. Ein Tag ohne Rock oder Kleid ist schließlich ein verlorener Tag. Auch im Winter oder bei Regen muss ein Rock meistens über die übliche Montur. So viel also zum Thema Individualität. Geht alles mit der richtigen Einstellung.

Zum Thema Zecken im Wald kann ich folgendes sagen: ja, es gibt sie. Sie sind aber nicht nur im Wald, sondern auch auf jeder Wiese und im Garten. Das macht es nicht weniger gefährlich und ja, manchmal mache ich mir Sorgen. Genau deshalb wird Madita, sowie sie aus dem Kindergarten kommt, akribisch abgesucht und hat eine schöne Dusche. Danach geht es in komplett neue Klamotten. Hin und wieder finde ich dabei eine kleine Zecke, die sich schon festgebissen hat. Eine vollgesogene hatten wir aber noch nie. Da FSME aber ab dem Biss übertragen wird, ist Madita seit letztem Sommer geimpft. Nur um auf Nummer sicher zu gehen.

Aber wie ist das nun mit dem Malen und der Vorbereitung auf die Schule? Bei uns im Wald wird gemalt, und zwar so richtig viel, wenn man will. Und Madita will. Sie bringt oft gebastelte Dinge, überzogen mit Glitzer mit nach Hause und ist ganz stolz auf sich. Ihre Feinmotorik ist top, sie malt klasse und schneidet schon eine Ewigkeit, aber darüber habe ich mir sowieso nie wirklich Gedanken gemacht. Grobmotorisch ist sie natürlich weit entwickelt, was nicht wirklich verwunderlich ist, wenn man den ganzen Vormittag im Wald herumspringt und auf Bäume klettert.

Zur Vorbereitung auf die Schule kann ich nicht allzu viel sagen, da Madita erst nach den Sommerferien ein Vorschulkind ist. Sie liest jetzt schon die ersten Worte und interessiert sich für Zahlen. Das liegt wohl hauptsächlich an ihrer großen Schwester;)

Und übrigens ist Madita sehr selten krank. Allerdings gestehen wir ihr Tage zu, an denen sie einfach nicht in den Kindergarten möchte. Jetzt hat sie noch die Wahl, in einem Jahr muss sie dann ja gehen. In der Schule zählt ‚hat heute keine Lust‘ leider nicht. Es gab übrigens auch schon ein paar Tage, an denen der Kindergarten wegen Sturm geschlossen war, oder in die Schule verlegt werden musste. Und es ist natürlich auch nicht ganz unrelevant, dass der Kindi nur von 7:45 (wir kommen meistens so gegen 8:45) bis 12:45 ( da kommen die Kinder und Erzieherinnen geschlossen zum Parkplatz) aufhat. Das ist blöd für arbeitende Eltern. Aber länger würde kein Kind durchhalten, denn so ein morgen im Wald bedeutet richtig harte Arbeit. Madita kompensiert das meistens mit einem gepflegten 2-3 Stunden Mittagsschlaf:)

Ich für meinen Teil könnte mir keinen Besseren Platz für unsere Tochter vorstellen. Sie blüht im Wald auf, kennt viele Pflanzen, liebt die Natur und wandert gerne. Der Gruppenzusammenhalt ist außergewöhnlich, das Band zu Erzieherinnen ist kostbar, jedoch sehr lose. Es gibt kein Bezugskinder, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.

Wir Eltern müssen uns, da es ein Verein ist, deutlich mehr einbringen. Dadurch wächst auch bei der Elternschaft ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Verantwortung gegenüber dem Waldkindi.

Da wird an Aktionstagen dann gerne die Waldhütte oder der Spielgruppenbauwagen instand gesetzt während hauptsächlich die Mütter Würstchen über dem offenen Feuer Grillen.

Ich weiß, es hört sich kitschig an, aber es bringt Familien wieder mehr zusammen und macht einem bewusst, wie wichtig die Natur für uns und unsere Kinder ist.

Ich hoffe, ihr trefft die passende Wahl für eure Kinder. Immer einfach dem Bauchgefühl nach:)

Hier noch eine kleine Liste an Dingen, die so ein Waldkindi-Kind braucht:

  • Trekking Schuhe (am besten und gerade im Winter knöchelhoch)
  • Outdoorhose
  • Leggings
  • Zip-in Jacke (wir bevorzugen die Marke die so anfängt wie ein nordisches Land)
  • Fleece-Weste
  • Fleece-Jacke
  • Regenhose
  • Gute Gummistiefel
  • Verschiedene Kopfbedeckungen
  • Kindergartenrucksack mit Bauch- und Schultergurt
  • Kleines Stück Isomatte zum Sitzen
  • Behälter zum Sammeln von Schätzen

Übrigens macht es Sinn an Tagen, an denen man das Kind vor lauter Matsch kaum erkennt, entweder Wechselklamotten im Auto zu haben oder einen Großen Müllsack, in den man das Kind bis unter die Achseln stecken kann, bevor es in den Autositz kommt 😉

Alles Liebe,

Viktoria

Leselaune

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In andere Welten eintauchen, mit dem Protagonisten mitgehen oder selbst zu einem werden, das ist es, was uns am Lesen so fasziniert. Gerade deswegen ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, so früh wie irgend möglich damit zu beginnen.

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an die Abende in Frottee-He-Man-Bettwäsche, an denen sich meine Mutter zu mir ans Bett setzte und mir aus Büchern wie „Das Sams“, „Sophiechen und der Riese“, „Jim Knopf und die Wilde 13“ oder „Die kleine Hexe“ vorlas. Wie gebannt hörte ich ihr zu und konnte es kaum erwarten, was auf den nächsten Seiten wohl alles passieren mochte. Das hat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit meine Liebe zu Büchern und zum Lesen geprägt und ich danke meiner Mutter noch heute dafür, dass sie sich jeden Abend die Zeit genommen hat, mir vorzulesen.

Keiner dieser oben erwähnten Kinderliteraturklassiker ist veraltet, obwohl es sicher schon mindestens 27 Jahre her ist, dass sie mir vorgelesen wurden.

Und sicherlich sind diese und viele andere Klassiker auch heute noch in vielen Kinderzimmern zu finden. Dennoch empfinde ich es bei der Flut an Buchveröffentlichungen mittlerweile als sehr anstrengend mich für eines zu entscheiden. Wie soll das da erst meiner 8jährigen Tochter gehen ?

In Zeiten des Multimediawahns scheint mir alles immer äußerlich höchst attraktiv wirken zu müssen und sicherlich ist es wahr, dass das Auge „mitisst“, dennoch möchte ich betonen, dass nicht hinter jedem wundervollen Cover auch eine wundervolle Geschichte steckt. Und nun kommen wir zur Crux: muss ich alle Bücher meiner Tochter vorher gelesen haben um wissen zu können, ob ich sie ihr überhaupt zugänglich machen möchte ? (Wobei wir ja auch schon wieder beim vorherigen Thema „Loslassen“ wären, oder ?)

Da ist zum Beispiel dieses Buch über ein freches Mädchen, Lotta. Das Cover wirkt auf Kinder ansprechend, die Illustrationen auf den einzelnen Seiten sind doodlemäßig und wirken laut meiner Tochter „cool“. Lotta erlebt jede Menge und schreibt dies als eine Art Journal oder Tagebucheintrag nieder. Einen tieferen Kontext gibt es meiner Meinung nach eher nicht. Ein Buch ist bei uns in maximal zwei Tagen durchgearbeitet. Dabei fehlt mir persönlich all das, was im ersten Absatz beschrieben. Der Zauber fehlt. Die Kinder versetzten sich nicht mehr in die Lage der Protagonistin.

Das führt dazu, dass sie immer weniger Bücher lesen, nicht zuletzt auch deshalb, da sie mit Medien wie Ipad, Fernseher und Videospielkonsole konkurrieren.

Dass Lesen, vor allem Vorlesen, enorm wichtig ist, wird dann klar, wenn man als Elternteil von der Klassenlehrerin einen „Leseplan“ mit nach Hause bekommt. Lotta und auch ihre Klassenkameraden/innen sollen doch jeden Tag 15 Minuten etwas zu Hause laut vorlesen. Das ist sehr bemüht und lieb gemeint, aber hilft nur dann, wenn sich die Eltern dahinter klemmen. Buchvorstellungen werden vereinbart -in der zweiten Klasse- um frühzeitig zu lernen wie man „richtig präsentiert“.

Das mag sich organisiert anhören, ist aber kaum durchzusetzen. Nach spätestens dem vierten Tag nicht erreichen des „Tagespensums“ hat man weder als Mutter noch als Tochter noch Lust den nun „verbockten“ Plan weiter zu führen.

Um Lotta zum Lesen zu animieren, lasse ich bewusst freie Zeit zu Hause, die ich nicht abdecke und quasi Langeweile aufkommen lasse. Ausserdem gibt es viele Rückzugsecken in unserem Haus und auch Garten, um sie in Ruhe lesen zu lassen. Und wenn sie Lust hat, kommt sie abends in mein Bett und liest mir vor. Aber ganz freiwillig. Und ohne Liste.

 

Buchempfehlungen für Mädchen (und Jungs) im Alter von 8-10

  • Der kleine Mann – Erich Kästner
  • Das Sams – Paul Maar
  • Ronja Räubertochter – Astrid Lindgren
  • Momo – Michael Ende
  • Liliane Susewind – Tanya Stewner
  • Polly Schlottermotz – Lucy Astner
  • Die Schule der magischen Tiere – Margit Auer
  • Karlsson vom Dach – Astrid Lindgren
  • Ben liebt Anna – Peter Härtling
  • Harry Potter – Joanne K. Rowling
  • Florentine – James Krüss
  • Arabel und Mortimer – Joan und Lizza Aiken
  • Sophiechen und der Riese – Roald Dahl
  • Der kleine Vampir – Angela Sommer-Bodenburg
  • und viele mehr…

 

Euch eine gute Zeit, viel Spaß beim Durchstöbern der Liste und eine Ergänzung ist absolut erwünscht 🙂

Loslassen und Festhalten

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Wie oft habe ich das in den letzten Jahren gehört…“Früher, in unserer Kindheit, gingen wir morgens aus dem Haus, spielten Stunden im Wald und kamen abends erschöpft aber glücklich zurück. So ganz ohne Handy und im Grunde völlig auf uns allein gestellt.“ Könnt ihr euch noch an diese Zeit erinnern?

Meine Kindheit sah da nicht anders aus…wir trafen uns nach der Schule auf dem Spielplatz und erkundeten von dort aus unser Umfeld. Mal vermuteten wir Räuber im Wald, die wir den ganzen Nachmittag ohne Erfolg jagden, ein andern Mal fuhren wir mit unseren Rädern zum nächstgelegenen See. Ich glaub ganz oft hatten unsere Mütter keinen blassen Schimmer, wo wir den Nachmittag über so gewesen waren.

Jetzt gibt es GPS Uhren für Kinder und fast jedes Kind hat in der 4. Klasse ein Smartphone. Natürlich ist es schön, dass unsere kleinen didital Natives so früh mit den wohl bedeutendsten Freizeitgadgets ihrer Zeit bekannt gemacht werden und auch ich sitze im Glashaus, in dem ich die beiden Damen besonders auf quälend langen Autofahrten unsere Ipads zur Verfügung stelle.

Aber mal ganz im Ernst, müssen wir unsere Kinder, Ehemänner, Haustiere tracken ?

Und wieviel Eigenständigkeit sollte einer 8-Jährigen zugetraut werden ?

Neulich auf dem Elternabend von Lotta kam es genau (nach nicht wenig E-Mailverkehr und CC Setzung einer besorgten Mutter) zu dieser Diskussion.

Im nächsten Schuljahr sollen die Kinder, die dann auch ihren Fahrradführerschein machen, für eine Doppelstunde Nachmittagsunterricht in die etwas größere Partnerschule im nächsten Ort fahren. Das sind 1,5 km.

Besagte Mutter wollte nun, dass sich genug Eltern zusammen tun, um bei der Gemeinde einen Fahrdienst für die Schüler zu verlangen.

Das traf jedoch, anders als sich diese Mutter vorgestellt hatte, auf einigermaßen viel Unverständnis. Sie fiel dann komplett aus allen Wolken als ich anmerkte, dass Lotta schon seit einem halben Jahr allein zum nächsten Supermarkt fahren würde, wenn sie  sich etwas süßes kaufen möchte. „Aber doch nicht etwa mit dem Fahrrad, oder ?“ kam nur vollkommen fassungslos von ihr. Doch genau mit Fahrrad, nickte ich.

Wir haben mit Lotta schon recht früh mit der Verkehrserziehung angefangen und können sie guten Wissens und Gewissens mit ihrem Fahrrad alleine fahren lassen. Angefangen haben wir damit sie auf einem Verkehrsübungsplatz für Fahrräder fahren zu lassen, damit sie eine Grundidee von den Verkehrsregeln bekommt. Da sie doch ein recht vernünftiges Kind ist, würde sie nie ohne Helm fahren. Noch dazu kümmert sich mein Mann darum, dass ihr Fahrrad immer verkehssicher ist.

Für Lotta ist es eine Freiheit, die sie unbedingt braucht und die auch mein Mann und ich als Kinder hatten. Ich persönlich denke viel eher, dass aus unselbstständigen Kindern unselbstständige Erwachsene werden und dass wir es doch in der Hand haben, unsere Kinder zu mehr Selbstständigkeit hin zu erziehen.

Ich bin absolut kein Freund von Laissez-faire und bei uns geht es mit unter sehr streng zu. Dabei stelle ich mir uns Eltern immer als eine Art Leitplanke vor, die das selbstgesteuerte Auto „Kind“ vor dem Sturz in den Abgrund bewahrt. Dabei fährt es meistens ganz gut auf den vorgegebenen Wegen, aber zwischendurch verliert es den Überblick und -ratsch- streift mal kurz die Mama- oder Papaleitplanke.

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An dieser Stelle nochmal vielen Dank an das Team von Woom für die Bereitstellung des absolut tollen Fahrrads.

Viele Grüße

Viktoria

Herzensmensch. – Hochsensibilität bei Kindern

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Als ich mir damals einen neuen Namen für meinen Blog und mein Instagram-Profil überlegt hatte, war die Entscheidung schnell auf „thelittleandthebrave“ gefallen. Zwei Mädchen wie sie nicht unterschiedlicher hätten sein können, eine Mama.

Im Nachhinein frage ich mich jedoch des Öfteren wer hier eigentlich „little“ und wer „brave“ ist.

„Sie ist eben ein Herzensmensch“

Schon bei Gesprächen im Kindergarten und im Alltag fiel mir vermehrt auf dass für unsere ältere Tochter Freundschaft, Gefühle und Vertrauen eine ganz andere Bedeutung besitzen als für ihre Altersgenossinen. Ein von Kindern schnell verwendeter Satz wie „Du bist nicht mehr meine Freundin“ -Ein Weltuntergang für Lotta.Ihre Erzieherin erklärte mir, dass Lotta Gefühle sehr stark wahrnimmt und es ihr manchmal schwer fällt diese nicht komplett an sich heranzulassen, ein Herzensmensch eben.

Zu Hause gab es andere Brennpunkte, die oft durch Weinen kompensiert wurden. Natürlich ist Weinen etwas vollkommen normales und ich finde es generell auch nicht schlimm, ABER wenn es um extrem kleine Nichtigkeiten (jedenfalls unter meinem Gesichtspunkt) geht, kann es einem schon einiges abverlangen ruhig zu bleiben.

The old soul

Ab dem Vorschulalter, spätestens mit Eintritt in die Schule, baute Lotta ihre Fähigkeiten weiter aus. Manchmal schien es, als würde ein Blick reichen und sie wüsste ganz genau wie ich gerade fühle. Eines unserer Au Pairs hat mal ganz treffend gesagt „She‘s such an old soul“ was soviel bedeutet wie „sie ist eine alte, erwachsene Seele in einem kindlichen Körper“

Unser kleiner „Vielfühler“ weinte bei Partituren in Moll „weil sie das Leid fühlen könnte“, weinte vor Glück, tauchte ihre Hände gewissenhaft in Linsenschüsseln, um jede einzelne zu erspüren und machte sich Gedanken um die Existenz von Mensch und Tier. Wir waren stolz darauf ein so einfühliges und interessiertes Kind zu haben und vielleicht auch ein bisschen stolz auf ihre Intelligenz.

Schattenseiten

So viel Lotta auch positives um sich herum wahrnahm und wiedergab, so viel negatives fing sie mit Eintritt in die Schule an zu belasten. Es waren die Kinder, die sie beschimpften (worauf sie dann meistens weinte, was die anderen noch mehr antriggerte), die Lehrerinnen, die sie nicht ernst nahmen und ganz alltägliche Situationen im sozialen Umfeld, die sie aufwühlten. Für Lotta gab es nur schwarz und weiss: Ein „ich mag dich nicht“ war in ihrer Welt ein ganz klares Zeichen dafür auf keinen Fall miteinander befreundet zu sein. Jetzt nicht und auch nicht in den nächsten 2 Monaten. Während es für die anderen Kinder normal erschien sich zwischendurch zu ärgern, nahm Lotta es sehr persönlich und war stark gekränkt. Sie verstand einfach nicht warum andere Kinder soetwas sagen sollten. In ihrer Welt gab es entweder schwarz oder weiss, ähnlich wie bei uns Erwachsenem. Sagt jemand zu mir, dass ich eine schreckliche Person sei, würde ich nicht im Traum auf die Idee kommen, diese Person in naher Zukunft auch nur eines Blickes zu würdigen.

Tiefpunkt

Im November letzten Jahres starb dann eine sehr gute Freundin -und Frau von Lottas Patenonkel- sehr unerwartet und äußerst tragisch.

Das war für uns alle ein großer Schock, besonders für Lotta. In den darauf folgenden Wochen wich sie mir nicht mehr von der Seite, schlief nachts in meinem Bett, aus Angst ich könnte eines Morgens einfach nicht mehr aufwachen und „tot im Bett“ liegen.

Ich versicherte ihr immer wieder, dass die Wahrscheinlichkeit äußerst gering wäre, dass soetwas passiere. Als Antwort kam „Mama, mit Wahrscheinlichkeiten musst du mir nicht kommen, es geht hier um ein Menschenleben.“

Als selbst zum Neujahrswechsel keine Besserung in Sicht war, sondern sich die Lage mehr und mehr zuspitzte, nahm ich Kontakt mit einer Psychotherapeutin auf.

In diversen Sitzungen erarbeitete sie mit Lotta ein Modell mit ihrer Angst umzugehen und tatsächlich, Lotta entspannte sich wieder mehr und mehr und war immer seltener von Verlustängsten umgeben.

Ich möchte bitte lösen: H-O-C-H-S-E-N-S-I-B-I-L-I-T-Ä-T

Bei unserer Abschlusssitzung sprach die Therapeutin mit mir über Lottas Gefühlsleben und ihre Empfindsamkeit. Kein einziges Mal fiel auch nur das Wort Hochsensibilität. Jedoch kam auch bei ihr schon meine Beobachtung zur Sprache: Dass meine Tochter oft schon emotional viel weiter wäre als ihre Altersgenossen und es beiden Parteien dadurch schwerer fiele mit einander zu interagieren, dass Lotta eine Art siebten Sinn hat, aber auch dass sie dazu neigt Gefühle zu überinterpretieren.

Wir vereinbarten, dass es von nun an meine Aufgabe sei, Lotta resilient zu machen und sie zu unterstützen um im normalen sozialen Alltag nicht nur zu „überleben“ sondern auch tatsächlich Freundschaften schließen zu können.

Zu Hause fiel mir dann ein Junge aus dem Kindergarten ein, in dem ich gearbeitet hatte. Er ging oft nur auf Zehenspitzen, verzog sich bei Streit in Ecken, aus denen er nur durch viel Einfühlsamkeit und überredungskunst wieder hervor kam und hatte Wutausbrüche für (für uns Erzieherinnen) manchmal unplausible Situationen. Eines Tages sprach meine Kollegin von hochsensiblen Eigenschaften und machte mich hellhörig. Ich googlelte also und fand Foren und Informationsseiten die 1:1 auf das Verhalten des Jugen passten.

Ich muss zugeben, dass ich als Mutter einen absoluten Tunnelblick hatte, was Lotta angeht. Denn auch auf sie trifft vieles, wenn doch nicht alles, aus den Beschreibungen über Hochsensibilität im Internet zu. Wieso ich erst jetzt nach so vielen Jahren mich mehr damit beschäftige, ist mir ebenfalls schleierhaft. Nun ja, zu mindest zum Teil, immerhin diagnostiziert man als Mutter ja nicht absichtlich sein Kind, sondern akzeptiert es mit seinen Eigenschaften und empfindet diese als positiv.

Das Kind braucht aber keinen Namen

Ja, ich denke, dass das Profil eines hochsensiblen Kindes mit dem meiner Tochter in vielen Teilen übereinstimmt. Und ja, es hilft mir zu wissen, was in ihrem Kopf und Herz gerade vorgehen könnte und wie ich sie am Besten in dieser Situation unterstützen kann.

Am Ende des Tages bleibt sie trotzdem jedoch mein Lottchen, dass ein Gespür für Menschen hat, Empathie zeigt, sich für die Welt interessiert und mit allen Sinnen liebt. Mein Herzensmensch eben.

Wer noch ein bisschen mehr über Hochsensibilität erfahren möchte oder sein Kind während des Lesens ebenfalls in einigen Aspekten wiederfinden konnte:

Hochsensibilität bei Kindern

https://www.aurum-cordis.de/hochsensibilitaet-bei-kindern